Willkommen in dieser Ausstellung zum Thema Kulturerbe-Erhalt. Ich bin Ihr Audioguide und werde Sie durch die hier gezeigten Exponate führen. Doch bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen kurz die Ausstellung und ihren Veranstalter vorstellen.
Diese Ausstellung wurde vom Unternehmen Additiverse vorbereitet, das im Jahr 2025 mit dem Ziel gegründet wurde, bedeutende kulturhistorische Objekte zu digitalisieren. Wir haben das Konzept einer Digitalen Bibliothek der Stadt entwickelt – ein Ansatz, der Kommunen und Städten dabei helfen kann, ihr kulturelles Erbe dauerhaft zu bewahren.
Um dieses Konzept anschaulich zu machen, zeigen wir Ihnen heute mehrere Beispiele, die die Idee der Digitalen Bibliothek auf bestmögliche Weise veranschaulichen. Dann lassen Sie uns beginnen.

Wenn Sie am Eingang stehen und in den Ausstellungsraum schauen, sehen Sie viele Exponate. Wir empfehlen Ihnen, sich der Reihe nach von Nummer zu Nummer zu bewegen und dabei meinen Erläuterungen zu jedem Objekt zu folgen. Insgesamt sind es 33 Objekte, jedes mit einer eigenen Nummer versehen.
Wir beginnen mit Nummer 1, die sich direkt am Eingang befindet. Wenn Sie in den Ausstellungsraum hineinsehen, finden Sie die erste Nummer an der Wand zu Ihrer Linken.
Nummer 1 zeigt ein gescanntes Fachwerk-Deckengebälk aus einem Einbecker Fachwerkhaus. In diesem Haus lebten einst Mitglieder der Schneiderinnung – davon zeugt das Wappen auf der linken Seite des Gebälks. Wir haben das Objekt gescannt, präzise ausgemessen, in verkleinertem Maßstab gedruckt und anschließend bemalt.

Weiter zu Nummer 2 – vor Ihnen sehen Sie einen Spiegel mit Rahmen aus dem späten 19. Jahrhundert. Dieser Spiegel ist von seiner Halterung gefallen, und dabei wurden drei Elemente des Rahmens vollständig beschädigt. Da alle Schmuckelemente des Rahmens identisch sind, haben wir die verlorenen Teile wiederhergestellt: Wir scannten die noch intakten Elemente in 3D und nutzten anschließend im digitalen 3D-Modell eine boolesche Subtraktion, um die fehlenden Bauteile aus dem vollständigen Element herauszurechnen. Die so gewonnenen Fehlteile wurden auf dem 3D-Drucker gedruckt und an den beschädigten Stellen eingesetzt – der Rahmen ist damit vollständig restauriert.

Wenn Sie noch bei uns sind, fahren wir fort mit Nummer 3. In Einbeck gibt es die Mendelsohn-Musikschule, die von einem Betonsockel mit 47 Säulen umgeben ist – auf jeder Säule ist ein Löwenbasrelief angebracht. Alle Reliefs sind identisch und wurden vor über 100 Jahren gegossen; die Originalformen sind jedoch nicht mehr erhalten. Eines der Reliefs war am besten erhalten und diente uns als Mastermodell. Wir scannten die vier am stärksten beschädigten Reliefs sowie das unbeschädigte und überlagerten sie digital. Mithilfe boolescher Operationen konnten wir die fehlenden Teile präzise herausrechnen, anschließend drucken und an den jeweiligen Originalen anbringen.
Dieses Projekt demonstriert auf eindrucksvolle Weise, wie wichtig eine Digitale Bibliothek für eine Stadt ist: Sind 3D-Modelle wichtiger Kulturobjekte erst einmal vorhanden, spielt das Material keine Rolle mehr – ob Beton, Holz, Kunststoff oder Metall – alles lässt sich anhand der 3D-Vorlage rekonstruieren.
Übrigens: Wenn Sie das Museumscafé im Stadtmuseum Einbeck besuchen, können Sie dort unsere Ausstellung zu den Löwenbasreliefs und zur Digitalen Bibliothek besichtigen.

Nummer 4 – vor Ihnen sehen Sie eine Inschrift auf einer der Seiten des Till-Eulenspiegel-Brunnens. Der Brunnen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet, die Inschrift ist im Deutsch des 16. Jahrhunderts verfasst und heute kaum noch verständlich, da viele der Wörter längst nicht mehr gebräuchlich sind. Wir haben die Inschriftentafel gescannt, den Text mithilfe von KI erkannt und ins moderne Deutsch übertragen. Die Inschrift lautet:
„Andere Leute verstehen nur halb, was manche sagen würden, sie wären immer zum Reden bereit", sagte Eulenspiegel zum schimpfenden Braumeister, als er schließlich den Hund des Meisters, der ‚Kopf' hieß, anstelle des Hopfens in den Bierkessel warf, wodurch dieser Sud verdorben wurde.
Eine kuriose – ja fast schaurige – Geschichte. Doch im Mittelalter erntete sie nur Gelächter, denn die Sitten jener Zeit waren ganz andere.

Nummer 5 – hier sehen Sie gescannte Fassadenelemente aus Einbeck. Unsere Überzeugung: Je mehr Gebäude digitalisiert werden, desto länger bleibt die Erinnerung daran für kommende Generationen erhalten.

Das nächste Objekt veranschaulicht besonders eindrücklich, warum das Vorhandensein eines 3D-Modells so entscheidend ist. Nummer 6 – vor Ihnen steht ein gescannter Triumphbogen aus der Stadt Palmyra in Syrien. Dieser Bogen wurde von den Römern im 2. Jahrhundert nach Christus erbaut. Es war unser allererstes Digitalisierungsprojekt: Im Jahr 2010 besuchten wir Palmyra und fertigten zahlreiche Fotografien an, die wir später zur Erstellung eines 3D-Modells nutzten – eine Methode, die als Photogrammetrie bezeichnet wird und eine Alternative zum 3D-Scanning ist.
Im Jahr 2015 wurde der Bogen – wie alle antiken Bauten Palmyras – gesprengt und dem Erdboden gleichgemacht. Für die Menschheit schien er verloren. Doch nicht vollständig. Denn das 3D-Modell existiert noch. Und anhand eines solchen Modells lässt sich ein Bauwerk rekonstruieren – in Stein, durch 3D-Druck oder durch das Gießen von Flüssigstein in Formen. Genau so wurde es in Paris umgesetzt, und der Bogen erstand buchstäblich aus seinen Trümmern.

Nummer 7 – direkt neben dem Bogen sehen Sie die gescannte Skulptur eines Studenten aus einem mittelalterlichen Universitätsmilieu. Das Original befindet sich im Stadtmuseum Einbeck.

Nummer 8 – hier sehen Sie ein gedrucktes Modell des Pulverturms, dessen Überreste noch heute in Einbeck zu sehen sind. Der Turm hat eine bemerkenswerte Geschichte:
Der Knochenturm ist ein Turmrest der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung von Einbeck. Er steht wenige Meter nördlich der Münsterkirche und wurde vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts als Pulverturm errichtet. Er ist 4,85 Meter breit und fünf Meter tief, sein Grundriss ist abgerundet, mit einer geraden Stadtseite. Um 1890 stieß man beim Bau der angrenzenden Stiftstraße auf zahlreiche menschliche Knochen, die vorübergehend in der Turmruine gelagert wurden – seitdem trägt er im Volksmund den Namen „Knochenturm".

Falls Sie noch Energie haben – bitte gehen Sie zurück zum Eingang des Ausstellungsraums und suchen Sie den Glastisch, auf dem ein hellgrünes Blatt Papier mit der Aufschrift Nummer 9 liegt. Ich warte kurz, bis Sie dort angekommen sind.
Nummer 9 zeigt das Feinguss-Verfahren zur Herstellung metallischer Objekte. Die einzelnen Schritte: Ein Bauteil wird aus Wachs gefertigt oder aus PLA gedruckt, ein Anschnittsystem aus Wachs wird angefügt, die Modelle werden mehrfach in flüssige Keramikmasse getaucht und die entstandene Keramikschale getrocknet und bei hoher Temperatur gebrannt – dabei verbrennt das Wachs bzw. PLA vollständig und hinterlässt eine hohle Keramikform in exakter Geometrie des Originals. Die Hohlform wird mit Druckluft gereinigt und mit flüssigem Metall befüllt. Nach dem Abkühlen wird die Keramikschale abgeschlagen, überflüssige Teile werden abgetrennt, und das fertige Metallteil wird geschliffen und nachbearbeitet. Auf den Fotos sehen Sie dieses Verfahren anhand von Motorbootpropellern.
Wussten Sie, dass diese Technik weltweit von Bildhauern eingesetzt wird? Wir haben damit bereits über ein Dutzend Skulpturen realisiert.

Nummer 10 zeigt ein Beispiel einer solchen Skulptur. In Odessa, in der Pasteur-Straße 13, entstand eine neue Sehenswürdigkeit: das Denkmal für Bücherliebhaber. Die über vier Meter hohe Bronzeskulptur steht am Eingang der Wissenschaftlichen Bibliothek Odessa und hält 37 Folianten in Form einer hohen Pyramide in den Händen. Auf dem Sockel ist die englische Inschrift eingraviert: „More books, less fear". Geschaffen wurde sie vom Odessaer Bildhauer Mikhail Reva.
Das Originalmodell des Bildhauers war 40 cm hoch. Es wurde gescannt, auf 4 Meter skaliert, auf eine Wandstärke von 4 mm reduziert und in über 400 × 400 × 400 mm große Segmente aufgeteilt – passend für den Bronzeguss. Die gesamte Skulptur wurde in 8 Wochen gedruckt. Auf dem Tisch sehen Sie den Kopf der Skulptur im Maßstab 1:1 – mit exakt derselben Wandstärke, die wir für den Bronzeguss verwendet haben.

Nummer 11 – dieses Projekt entstand im Auftrag des Unternehmens Kulturel: eine hochrealistische 3D-Modell einer Zuckerrübe mit Wurzel und Blättern, die anschließend an den Endkunden KWS übergeben wurde. Die R&D-Abteilung von KWS bestätigte, dass die Ähnlichkeit mit einer echten Rübe phänomenal sei. Das Modell wurde zunächst detailgetreu gescannt und anschließend bemalt.

Nummer 12 zeigt eine am Fräsmotor gefertigte Holzskulptur zum Thema Einbecker Biertreck. Wir haben die digitale Skulptur selbst entworfen und alle Teile per CNC-Fräse herausgearbeitet. Auch das bestätigt: Es spielt keine Rolle, aus welchem Material ein historisches Objekt ist – entscheidend ist das 3D-Modell. In diesem Fall wurde es genutzt, um das Fräsprogramm zu erstellen.

Nummern 13 und 14 zeigen Ergebnisse der digitalen Rekonstruktion mittelalterlicher Gegenstände.
Nummer 15 zeigt eine humorvolle Anwendung von 3D-Scanning und -Modellierung: Der gescannte Kopf unseres guten Bekannten Arn wurde – mit seinem Einverständnis – auf den Körper eines Roboters montiert.
Nummer 16 zeigt ein individuell angepasstes Handorthese. Durch das 3D-Scanning der Hand und die darauf basierende Modellierung berücksichtigt die Orthese die anatomischen Besonderheiten exakt. Das Modell aus Polypropylen ist wasserbeständig und ermöglicht sogar das Duschen.
Nummer 17 zeigt unseren Prototyp eines Tourniquets zur Blutstillung. Alle Teile wurden gedruckt, die Konstruktion ist von uns patentiert.
Nummer 18 demonstriert die Möglichkeit, aus einem einzigen Foto ein vollständiges 3D-Modell zu erstellen. Ein süßer Hund, nicht wahr?

Nummer 19 – ein 3D-Modell des berühmten Einbecker Chemikers Friedrich Sertürner, der Anfang des 19. Jahrhunderts das Morphin entdeckte und damit Einbeck und sich selbst weltberühmt machte.
Und nun – sind Sie bereit für einen Wow-Moment? Gehen Sie bitte zurück zum Eingang des Ausstellungsraums. Vor Ihnen sehen Sie zwei senkrechte gelbe Streifen – in diesem Eck finden Sie Nummer 19. Stellen Sie sich vor diese Streifen und drehen Sie dem Vitrinenschrank den Rücken zu. Schauen Sie nun geradeaus – und Sie werden merken, dass Sie jemand beobachtet. Es ist der gedruckte Kopf von Herrn Sertürner – doch er ist nach innen gewölbt. Machen Sie nun einen halben Schritt nach links, ohne den Blick abzuwenden – Sie werden einen faszinierenden 3D-Effekt wahrnehmen. Bewegen Sie sich langsam weiter nach links: Es wirkt, als würde der Kopf Ihren Bewegungen mit den Augen folgen.
Treten Sie nun an die Wand heran. Wir hoffen, dieser außergewöhnliche optische Effekt hat Sie begeistert.

Nummer 20 – vor Ihnen sehen Sie eine Komposition aus zwei Betonplatten und einem mittelalterlichen Plastikschwert. Für die Betonplatten haben wir originale Steinplatten gescannt, eine Silikonform als Negativ hergestellt und in Beton gegossen. Das zwischen den Platten platzierte Schwert spielt auf die Legende von König Artus an.

Nummer 21 – hier sehen Sie Abdrucke auf Papier, die mit einer Druckpresse und gedruckten Kunststoffformen erzeugt wurden. Die unterschiedlichen Formen erzeugen verschiedene Konturen – ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie 3D-Modellierung und 3D-Druck im Bereich der bildenden Kunst eingesetzt werden können.

Nummern 23 und 24 zeigen die sogenannte Lithophane-Technik: Ein Bildeindruck wird in helles Kunststoffmaterial übertragen und von hinten beleuchtet. Als Motiv für den hier ausgestellten Lampenschirm haben wir eine Einbecker Stadtkarte aus dem 18. Jahrhundert gewählt. Daneben sehen Sie das Erinnerungsfoto, das für die beleuchtete Version verwendet wurde.

Nummern 25, 26 und 27 – hier sehen Sie Kunststoffdruckformen, die für ein einzigartiges Einbecker Unternehmen gefertigt wurden: die Firma Blaudruck, das älteste Unternehmen Europas, das mit der mittelalterlichen Blaudrucktechnik Textilien bedruckt. Diese Technik gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Wir haben für das Unternehmen historische Druckformen – ursprünglich aus Holz und Metall – restauriert: Die Originale wurden gescannt, digital überarbeitet und als vollwertige Kunststoffalternativen gedruckt. Die Ergebnisse auf den ausgestellten Stoffen sprechen für sich.

Bitte gehen Sie nun zurück zum Tisch am Eingang der Ausstellung – dem Tisch gegenüber der Vitrine. Suchen Sie auf der linken Seite des Tisches Nummer 28.
Nummer 28 zeigt ein 3D-Modell der Rocca – einer Burg in Kalabrien, Italien. Für die Aufnahmen setzten wir eine Drohne DJI Mini 4 Pro ein und fertigten über 300 Fotos rund um die Burg an. Diese Fotos wurden in die Software RealityCapture geladen und zu einem vollständigen 3D-Modell verarbeitet. Drohnenaufnahmen eignen sich nicht nur für Burgen und Kirchen, sondern auch für die Geländekartierung. Wir haben bislang über 20 solcher Projekte in Europa umgesetzt.

Nummer 29 – hier sehen Sie eine stark vergrößerte 3D-Modell eines Käfers. Das Modell wurde ohne Nachbearbeitung direkt gedruckt; als Grundlage dienten Makrofotos. Unterhalb des Käfers finden Sie 3D-Modelle antiker Schmuckstücke und einer griechischen Münze.

Nummer 30 – gescannte Baumrinde einer Einbecker Eiche, die über 600 Jahre alt ist. Dieser Baum hat Luther erlebt und alle Seiten der Einbecker Geschichte. Wir haben die Rinde gescannt, verkleinert gedruckt und zum Designobjekt gemacht – in Rot, aber jede Farbvariante ist denkbar. Stellen Sie sich vor, Ihre Zimmerwand mit der Textur einer 600 Jahre alten Eiche zu schmücken.

Durch Digitalisierung lassen sich auch völlig neue Objekte schaffen. Ein gescanntes Fahrzeug beispielsweise lieferte die Vorlage für eine Silikonform, aus der Gipsabgüsse in Form von Speiseeis-Autos hergestellt wurden. Auf dem Tisch sehen Sie zahlreiche weitere Abgüsse und Formen.
Nummer 32 zeigt Gipsformen, bei denen das 3D-Modell nach dem Tessellationsprinzip aufgebaut wurde: Alle Einzelformen passen perfekt ineinander – ein Effekt, der vielfältig für Gestaltung und Design genutzt werden kann.

Und damit kommen wir zum letzten, aber besonders faszinierenden Objekt unserer Ausstellung. Nummer 33 zeigt unsere Arbeit an den Schachfiguren von Lewis:
Die Lewis-Schachfiguren sind ein Satz von 78 Spielsteinen, die 1831 auf der schottischen Insel Lewis entdeckt wurden. Sie wurden vermutlich in Norwegen hergestellt und gelten als die besterhaltenen mittelalterlichen Spielsteine – zugleich ein hervorragendes Zeugnis romanischer Elfenbeinschnitzerei. Wir haben anhand von Buchfotografien in ZBrush 3D-Modelle aller Figuren erstellt, daraus Silikonformen gegossen und die Figuren schließlich in Beton reproduziert.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Ausstellung gefallen hat, und wünschen Ihnen alles Gute!